Aufgeschlossen

Welche Künstlernetzwerke gibt es in Iran? Wie sind diese organisiert und wie kann ein künstlerischer Austauch zwischen deutschen und iranischen Künstlern gelingen - auch wenn, wie bei Tanz, Mode- und oder Kostümdesign, Schranken durch politische und religiöse Verbote gesetzt sind? Julia von Leliwa hat ein Stipendium in den Iran geführt. Im Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) berichtet die Kostümbildnerin von der dortigen Kunstszene.

Frau von Leliwa, Sie waren im Iran. Gibt es dort eine Kunstszene wie hier?
Nein, in dem Sinne nicht. Es gibt eine sehr belebte Galerieszene, die aber sehr profitorientiert ist. Es gibt Netzwerke, die unbekannter sind, und Netzwerke, die non-profit organisiert sind und mit Förderung aus dem Ausland arbeiten. Es gibt viele Ausstellungen, die bewusst im Untergrund bleiben, um der Zensur zu entgehen.

Gibt es auch internationale Positionen?
Internationale Positionen kommen meistens über die Botschaften, die Ausstellungen vom ifa oder dem Goetheinstitut. In den Galerien ist der Fokus auf iranischen Künstlern. Videokunst zum Beispiel sieht man noch nicht so viel.

Was haben Sie für sich mitgenommen?
Ich habe einen Workshop gegeben, das hat viel Spaß gemacht, weil die iranischen Studenten extrem am Austausch interessiert, aufgeschlossen und neugierig sind. Sie vernetzen sich gut, gründen zum Beispiel auch außerhalb kleine Theatergruppen. Anders als hier scheinen sie gut von der Elterngeneration unterstützt zu werden, auch wenn sie fern von der Norm arbeiten. Wer den familiären Rückhalt nicht hat, hat es dagegen enorm schwer. Denn so, wie ich es mitbekommen habe, unterstützt die Regierung freie Projekt überhaupt nicht. Adr
© Stuttgarter Zeitung, erschienen am 16. Juni 2016

Julia von Leliwa wurde im Rahmen unseres Programms „Künstlerkontakte“ gefördert. Im Rahmen der ifa-Ausstellung „Dem Gestern ein Morgen geben“ hielt Julia von Leliwa am 16. Juni 2016 einen Vortrag in der ifa-Galerie Stuttgart.