Recherchereise Iran | Marina Beeck; Iran 2016; © Marina Beeck.

Insight Iran: Ein Erfahrungsbericht von Meta Marina Beeck

Meiner Recherchereise in den Iran ging die Präsentation der Videoarbeit „A Dowry for Mahrou“ (2006) von der in Teheran lebenden Künstlerin Samira Eskandarfar in der Kunsthalle Bielefeld voraus. Die Ausstellung lief vom 22. Juli bis 30. August 2015 und die Reaktion der Besucher war durchaus interessant, denn das Bild des Irans – zurzeit fraglos im Wandel – ist bei vielen Besuchern voreingenommen.

Recherchereise Iran | Marina Beeck; Iran 2016; © Marina Beeck.
Recherchereise Iran | Marina Beeck; Iran 2016; © Marina Beeck.

Umso wichtiger erschien es mir mit Künstler/innen und Kulturschaffenden vor Ort ins Gespräch zu kommen. Durch Samira Eskandarfar kam der Kontakt zu dem unabhängigen Projektraum New Media Society in Teheran zustande und Amirali Ghaff, Gründer und treibende Kraft des Raumes, lud mich für einen Vortrag nach Teheran ein.

Im Mai 2016 reiste ich also für eine zweiwöchige Recherchereise in den Iran. In meinem Vortrag sprach ich u. a. über aktuelle Tendenzen in der Videokunst und zeigte die Videoarbeit „Jutta“ (2014) von dem in Berlin lebenden Künstler Sven Johne. Die Arbeit hat einen stark politischen Inhalt, was mit den Gepflogenheiten im Iran nicht immer zusammenpasst, denn politische Themen sind in der Öffentlichkeit tabu. Die von mir erhoffte Diskussion setzte so auch erst nach dem offiziellen Teil ein, und zwar bei Tee und Gebäck auf der Terrasse. Dabei wurde ich mehrmals auf meine Rolle als Kunsthistorikerin angesprochen und meine Meinung über zeitgenössische iranische Kunst erbeten. Diese Gespräche betrachte ich im Nachhinein als wichtigen Einstieg in die iranische Kunstszene. In den nachfolgenden Tagen verbrachte ich viel Zeit mit Künstler/innen, die mich ansprachen und mir ihre Arbeiten zeigen wollten und die mich in die Kunstszene Teherans und Isfahans einführten.

Die vielen Gespräche, die in Teheran und den weiteren Stationen meiner Reise nach Shiraz stattgefunden haben und die Freundschaften, die in der kurzen Zeit entstanden sind, haben mir ein Gefühl und einen Eindruck von der Kunst- und Kulturszene im Land vermittelt. Konzerte, Vorträge und Performances finden meist im Verborgenen statt und man braucht als Externer einen Zugang, um von solchen Veranstaltungen zu erfahren.

Kunsträume und dortige Veranstaltungen sind im Iran nicht uneingeschränkt durchführbar, daher wird beispielsweise durch SMS- und Email-Versand an Freunde von New Media Society, Homepage und Facebook auf das Programm hingewiesen. Facebook ist im Iran gesperrt, dennoch verschaffen sich viele junge Iraner Zugang und informieren sich so über Veranstaltungen. Gleichzeitig drängt die Kunst nach außen. Ich habe mehrere junge Performancekünstler/innen kennengelernt, die den öffentlichen Raum, und was für eine Bedeutung dieser im Iran hat, mit ihren Aktionen erkunden wollen.

Während meiner zehntägigen Reise habe ich mir ein Bild der iranischen Gesellschaft und Kunst machen können und nehme diese Erkenntnisse und Gespräche mit. Die nächsten Projekte sind bereits geplant und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit einigen der Künstler/innen.