Kuba öffnet sich – Kultur und Bildung als Motor?

Bert Hoffmann ist Alumni des ifa-Forschungsprogramms "Kultur und Außenpolitik" und nahm die deutsch-kubanischen Kulturbeziehungen unter die Lupe. Als Kuba-Kenner ist er mit der Kulturlandschaft des Landes und den politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte vertraut. Im Interview spricht er zu den Perspektiven der Zusammenarbeit mit Kuba in Kultur und Bildung.

Mit dem Tod Fidel Castros steht Kuba dieser Tage im Fokus der Öffentlichkeit. Vorangegangen waren die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu den USA und der Besuch Barack Obamas im März 2016. Der Tourismus wächst stetig und mit den ausländischen Urlaubern fließen Devisen ins Land, die für viele Kubaner eine willkommene Einnahmequelle sind. Eine Öffnung des Landes scheint vielen Beobachtern unaufhaltsam. Kubanische Intellektuelle und Kulturschaffende hoffen auf mehr Freiheit und einen intensiveren Austausch mit dem Ausland. Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik spielt hier eine wesentliche Rolle. Über die Potenziale der deutsch-kubanischen Kultur- und Bildungsbeziehungen sprachen wir mit Bert Hoffmann, Experte des ifa-Forschungsprogramms.

ifa (Institut für Auslandsbeziehungen): Die aktuelle Berichterstattung vermittelt den Eindruck, Kuba vollziehe einen Wandel über Nacht. Sie sprechen in Ihrer Studie „Wandel und Annäherung. Perspektiven deutsch-kubanischer Beziehungen in Kultur und Bildung“ von einem Umbruch in Zeitlupe seit der Amtsübernahme durch Raúl Castro vor zehn Jahren. Können Sie dies erläutern? 

Bert Hoffmann: Der wirtschaftliche Umbau geht sehr viel schleppender voran, als es Bilder von schicken neuen Touristenrestaurants in Havanna manchmal vermuten lassen. Den Großteil der Wirtschaft machen noch immer Staatsbetriebe aus. Jahr für Jahr werden hier große Reformen angekündigt und dann doch wieder vertagt. Seit Jahren ist angekündigt, dass die Parallelwährung von abgewertetem normalem Peso, in dem die Löhne bezahlt werden, und dem an den Dollar gekoppelten „konvertiblen Peso“ überwunden werden soll, aber auch das ist noch nicht passiert. Andererseits hat sich das Land in zehn Jahren unter Raúl Castro erheblich verändert, vor allem durch die Öffnung gegenüber den USA. Der Tod Fidel Castros selbst ändert daran nicht viel. Aber welche Folgen die Präsidentschaft Trumps und die Rückkehr einer aggressiven US-Politik gegenüber Kuba haben werden, das steht allerdings in den Sternen. Die kubanische Führung hat am Tag nach Trumps Wahlsieg erst einmal ein fünftägiges militärisches Großmanöver veranstaltet.

ifa: Mit dem Ausbau des Internets und des Tourismus verändert sich das Straßenbild, insbesondere in Havanna. Kubaner versammeln sich an WLAN-Hotspots und ganze Straßenzüge werden für Touristen umgebaut. Sehen Sie hier ein Konfliktpotential?

Hoffmann: Sicherlich. Gerade die zentralen Bezirke Havannas erleben einen Prozess, den wir hierzulande „Gentrifizierung“ nennen würden. Wohnungen werden in „Bed and Breakfasts“ umgewandelt. Neue Restaurants für Touristen eröffnet, deren Preise für die meisten Kubaner außer Reichweite sind. Vieles, das im Alltag der Peso-Wirtschaft Mangelware ist, steht für Devisen zur Verfügung. Natürlich schafft das Spannungen. Die Einrichtung von WLAN-Hotspots hat dazu geführt, dass die öffentlichen Plätze tatsächlich wieder sehr belebt sind. Sehr viele Kubaner haben Verwandte, die ins Ausland gegangen sind. Über Facebook und Internet-Telefonie findet hier intensive Kommunikation statt. Schon bei ihrer Entstehung wurden öffentliche Parks ja als Orte der Begegnung und des Austauschs geplant. Genau diese Funktion erfüllen sie nun wieder – wenn auch in anderer Form als früher.

Lesen Sie das vollständige Interview unter ifa.de.

Prof. Bert Hoffmann ist Senior Researcher am GIGA German Institute of Global and Area Studies, Leiter des GIGA Berlin-Büros und Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Im Rahmen des ifa-Forschungsprogramms „Kultur und Außenpolitik“ verfasste er die Studie „Wandel und Annäherung. Perspektiven deutsch-kubanischer Beziehungen in Kultur und Bildung„. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er zur Entwicklung in Kuba. Seine Publikationen umfassen Bücher wie die Landeskunde „Kuba“ (C. H. Beck Verlag) oder den Band „Debating Cuban Exceptionalism“ (Palgrave, zus. mit L. Whitehead), sowie zahlreiche wissenschaftliche Artikel (z. B. „Charismatic Authority and Leadership Change: Lessons from Cuba’s Post-Fidel Succession“, in: International Political Science Review, 30, 3, 2009, 229-248), Policy Papers und journalistische Beiträge.