Netzwerken auf zentralasiatisch - über das CrossCulture Alumnitreffen in Bischkek

Networking heißt das Schlagwort, es geht um Ideen und Projekte, kurz – um ein erfolgreiches Miteinander über Grenzen hinweg. Olessya, Maqsud, Sergei und Ana haben ein Netz gesponnen oder fein gewebt, so wie die kirgisischen Teppiche, die als beliebtes Souvenir des zentralasiatischen Landes gelten. Ein Geflecht aus Bindfaden, das ihnen am Ende ihres eintägigen Workshops zeigt, wie gut sie sich vernetzt haben, wie sie auch sichtbar miteinander in Kontakt stehen.

Teilnehmer des CCP Alumnitreffs bei einem Stadtspaziergang im Sonnenschein
Einer der berühmten Teppiche aus Zentralasien
Erinnerungen an die Zeit in Deutschland werden mit Postkarten festgehalten.
Auch mit dabei: Sebastian Körber (Mitte), Stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Abteilung Medien des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen)

Denn hier in diesem Konferenzraum des Green City Hotels in Bischkek sind junge Menschen aus vier verschieden Ländern zusammen gekommen. Ana, Asel, Marina, Ruchsaram und Dinara aus Kasachstan, Sergej, Viktoria und Ulugbek aus Kirgistan, Ellina aus Tadschikistan und Maqsud aus Usbekistan. Was sie eint, ist ihre Erfahrung als Stipendiatinnen und Stipendiaten des CrossCulture Praktika Programms (CCP). Sie alle waren mit dem interkulturellen Lernprogramm des Instituts für Auslandsbeziehungen im Laufe der letzten Jahre für mehrere Wochen in Deutschland. Was sie an diese Zeit erinnert, haben sie mitgebracht – hierher nach Bischkek, wo am 6. September 2016 das erste zentralasiatische CCP-Alumni-Treffen des ifa stattfand.

 

Persönlicher Kontakt: Auch im Jahr 2016 durch nichts zu ersetzen

 

Organisiert hat es Bärbel Wienkötter, die fast alle der Ehemaligen aus deren Zeit in Deutschland kennt. Die ehemaligen Programmteilnehmer in ihrer Heimat zu treffen, ist auch für die ifa-Koordinatorin ein ganz besonderer Moment. Ihr ist es wichtig, dass die jungen Leute miteinander ins Gespräch kommen und sich austauschen. Die wenigsten Teilnehmer kennen sich untereinander und hätten sich ohne dieses organisierte Treffen vermutlich nie gesehen. Jetzt, wo sie zusammensitzen, wird ganz schnell klar, dass der persönliche Dialog auch in Zeiten von virtueller Kommunikation unersetzlich ist. Zumal in Ländern, wo ein Teil der sozialen Medien zensiert oder gänzlich  unterdrückt wird. In Kasachstan funktioniere Skype nicht, schildern die Teilnehmer und in Tadschikistan gäbe es zudem weder Instagram noch Youtube. „Facebook aber kennen und nutzen alle – und eigentlich ist die Technik keine Hürde“, sagt Ellina aus Duschanbe. „Man weiß sich schon zu helfen“, ergänzt sie vielsagend. Und so schlägt sie am Ende der Brainstorming-Runde vor, dass man doch am 3. Oktober eine konzertierte Aktion in allen Ländern, aus denen die Workshopteilnehmer kommen, initiieren könnte, um an vielen Stellen gleichzeitig über das CCP-Projekt zu berichten. Denn in den Ländern Zentralasiens gilt wie in vielen anderen Regionen der Welt das gesprochene Wort aus dem Mund eines erfahrenen Menschen wesentlich mehr als schicke Flyer und attraktive Webseiten.

 

Bleiben im Kopf: Erfahrungen aus Deutschland

 

Wenn Viktoria, Marina oder Sergej über ihre Erfahrungen in Deutschland berichten, spürt man förmlich die Begeisterung. So hat Ruchsaram einst in Stuttgart eine große Ausstellung gerettet, indem sie höchstpersönlich eine originale Jurtenverstrebung aus Almaty nach Deutschland brachte, damit sie dort in einer Museumsjurte verbaut werden konnte. Die Wissenschaftlerin Viktoria aus Bischkek, die im Sommer als Imkerin und im Winter als Buchhalterin arbeitet, hat nach wie vor Kontakte zu einem Kollegen in der Nähe von Berlin, mit dem sie auf Deutsch kommuniziert. Marina ist Journalistin und an der Wand ihres Büros in Almaty hängt die Weltkarte von Reporter ohne Grenzen, die zeigt, wie es um die Pressefreiheit weltweit bestellt ist und die sie jeden Tag aufs Neue anspornt, engagiert und ehrlich zu berichten. Für den promovierten Ornithologen und Naturfreund Sergej, der zwar praktisch alle Vögel seiner Heimat Kirgistan in vier Sprachen benennen kann, aber in seiner Heimat kein Meer kennt, sind eine Muschel aus der Nordsee und der Bernstein vom Ostseestrand eine Erinnerung an seinen CCP-Aufenthalt in Deutschland.

Olessya aus Ust-Kamenogorsk hat einen schwarz-rot-goldenen Kuli, mit dem sie schon in Deutschland ihre Erinnerungen aufgeschrieben hat, heute arbeitet sie für die GIZ im Norden von Kasachstan und nutzt den Kuli immer noch gern für Aufzeichnungen und Unterschriften.

 

Prominenter Gast: Sebastian Körber genoss die Vorstellungsrunde der Alumni

 

So verschieden die elf Menschen sind, sei es  in ihrer beruflichen Ausrichtung, ihren Erfahrungen oder  ihrem Wesen, so glaubhaft spiegeln sie den CCP-Gedanken wider: Vielfalt und Professionalität im interkulturellen Kontext. Diesen Schatz auch weiterhin zu Die ehemaligen Stipendiaten freuten sich über den prominenten Gast in ihrer Vorstellungsrunde, in die sich der gebürtige Niedersachse einfach integrieren ließ. Sehr zur Freude der Gruppe konnte Dinara in ihrem Mini-Partner-Interview herausfinden, dass Sebastian Körber aus Worpswede stammt – ebenso wie die berühmte Künstlerin Paula Modersohn-Becker, deren Ausstellung er am Folgetag im Kunstmuseum von Bischkek eröffnete. Die weltbekannte Amsel hatte Körber selbst als Kind immer wieder im Schulunterricht zeichnen müssen, erzählte er. Gleichzeitig war er neugierig von den ehemaligen Stipendiaten so viel wie möglich zu erfahren – nämlich, dass Ulugbek mal Boxchampion in Kirgisien war und Viktoria Motorrad fährt. Außerdem erfuhr Körber, dass  mindestens die Hälfte der Gruppe eine Ausbildung als Journalist hat, so wie er selbst und dass das ifa neben Medienschaffenden auch usbekische Dirigenten und kasachische Menschenrechtsanwältinnen in ihrer Weiterbildung unterstützt. „Mit diesem eintägigen Alumni-Treffen sollte die Nachhaltigkeit von CCP gestärkt und die Alumni motiviert werden, auch zukünftig gemeinsame Projekte zu realisieren“, fasst es die ifa-Organisatorin, Bärbel Wienkötter abschließend zusammen.

Über die Autorin:
Dana Ritzmann ist Diplom-Journalistin und arbeitet als Trainerin für interkulturelle Kompetenzen. Sie hat das Alumni-Treffen in Bischkek inhaltlich vorbereitet und moderiert. Zum Abschluss hat sie in diesem Bericht einige ihrer Erlebnisse zusammengefasst.